Sie sind hier: Historisches | die von Schönbergs

die von Schönbergs und die Mortelmühle

Die Grundherrschaft derer von Schönberg auf Purschenstein

Die Grundherrschaft Purschenstein, im Süden an der Grenze zu Böhmen gelegen, umfasste die Stadt Sayda, die Dörfer Seiffen (Bergflecken mit eigenem Vasallenamt), Clausnitz, Friedebach, Ullersdorf, Pilsdorf, Heidersdorf, Dittersbach, Neuhausen, Cämmerswalde, Deutschgeorgenthal, Frauenbach, Deutscheinsiedel, Heidelberg, Heidelbach (mit Glashütte), Brüderwiese, Deutschneudorf, Deutschkatharinaberg, Oberseiffenbach und Niederseiffenbach.

Seit 1389 war die Herrschaft im Besitz der Familie von Schönberg.  Die Bewirtschaftung ihres Gutes wurde durch Frondienste der Untertanen gewährleistet. Das übrige Land hatte die Herrschaft verpachtet. Damit  trug der Bauer das Risiko der Produktion selbst, der Grundherr konnte mit festen Einkünften rechnen. Anfangs wurden Abgaben, wie der Pachtzins mit Naturalien wie Getreide aber auch Fleisch, Gänsen, Hühnern, Eiern und Flachs bezahlt, später wurden sie zu Geldabgaben.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden viele Bauernhöfe verwüstet. Ackerflächen lagen brach, Unkraut, Gestrüpp und  Bäume wucherten darauf. Es fehlte an Zugvieh und an Dünger. Finanzielle Verluste zwangen die Familie von Schönberg, Teile ihres Besitzes zu veräußern. Sie bemühten sich, die wüsten Hausstellen wieder zu besetzen. Caspar Heinrich v.Schönberg förderte die Ansiedlung wegen ihres protestantischen Glaubens von den Habsburgern aus Böhmen verdrängter Exulanten. Diese gründeten in der Umgebung zahlreiche neue Dörfer (z.B. Heidelberg, Deutschgeorgenthal, Oberseiffenbach).

Durch den Siebenjährigen Krieg (1756-63) entstanden erhebliche Schäden durch die Zahlung an die preußischen Besatzer. Einquartierungen, das Lagern der Truppen auf den Feldern und Wiesen, Plünderungen und das Wegführen von Pferden und Schlachtvieh mußten ertragen werden. Die tägliche Lieferung von Lebensmitteln an die Truppen wurden ebenfalls von der Bevölkerung verlangt. Hinzu kamen Mißernten in den Jahren danach. Der Rittergutsbesitzer auf Purschenstein erhöhte die Abgabesummen und Dienste seiner Untertanen, um damit seine eigenen wirtschaftlichen Schäden schnell ausgleichen zu können.

Im Zuge der Staatsreform in Sachsen 1831 erlangten die Bauern ihre Freiheit von den Bindungen an den Grundherrn. Allerdings mußten sich die Bauern "loskaufen" und viele Abgaben der Herrschaft wurden durch höhere staatliche Steuern ersetzt.

Berühmt war die Herrschaft vor allem durch den seit 1324 nachweisbaren Zinnbergbau, mit einem eigens errichteten Vasallenbergamt in Seiffen, und die Heidelbacher Glashütte. Nach dem Rückgang des Bergbaus und der Glasherstellung wurde die Holzbearbeitung zum Rückgrat der Wirtschaft,wovon noch heute die bekannte Spielzeugstadt Seiffen Zeugnis ablegt.

(Text aus: 675 Jahre Seiffen, ein Lese-und Bilderbuch, Autorenkollektiv, Autor hier: Catrin Bilz, 1999)

Caspar von Schönberg

Caspar von Schönberg (Bischof von Meißen, Jurist, Gesandter, kurfürstlicher Rat, geboren um 1395, gestorben am 31.5.1463 Meißen, begraben im Dom zu Meißen) war einer von sechs Söhnen des kurfürstlichen Rats Caspar von Schönberg zu Reinsberg. Für die geistliche Laufbahn vorbestimmt, erlangte er 1416 eine niedere Präbende am Meißner Domstift. Seinen Bildungsweg begann S. 1417 mit einem Studium in Leipzig, das er als Magister der Theologie und Doktor der Rechte abschloss. 1425 wird er als Domherr und Inhaber einer höheren Präbende des Meißner Kapitels erwähnt, zehn Jahre später wurde er dort Dekan. Außerdem besaß er seit 1436 ein Kanonikat in Naumburg. – Trotz seiner geistlichen Ämter wurde C. 1442 zusammen mit seinen Brüdern vom Kurfürsten Friedrich II. (der Sanftmütige) gemeinschaftlich mit den Städten und Schlössern Purschenstein, Sayda, Schönberg, Reinsberg, Sachsenburg, Wilsdruff, Frankenberg und Neukirchen belehnt. Zu diesem außergewöhnlichen Lehnsakt, der v.a. der Besitzstandswahrung diente, trug nicht zuletzt sein enges Verhältnis zum Kurfürsten bei. Friedrich II. hatte die diplomatischen Qualitäten C.s früh erkannt und ihn in seinen Dienst genommen. In seinem Auftrag gehörte C. der Gesandtschaft der Kurfürsten an, die 1438 nach Wien aufbrach, um den Habsburger Albrecht zur Annahme der Wahl zum römisch-deutschen König zu bewegen. Ein Jahr später weilte er als sächsischer Gesandter auf dem Kongress zu Mainz, wo der Konflikt zwischen dem Papst und dem Konzil verhandelt wurde, wobei C. zugleich die Kurpfalz vertrat. Als Jurist erstellte er 1444 ein Gutachten über die Rechtmäßigkeit des Baseler Konzils. Er wurde als kurfürstlicher Rat mit der Schlichtung von Streitfällen beauftragt, wie z.B. 1454 in der Beilegung von Grenzkonflikten mit Böhmen. Die hohe Achtung des Kurfürsten fand ihren Ausdruck darin, dass C. zu dem Personenkreis zählte, dem Friedrich 1447 testamentarisch die Vormundschaft über seine minderjährigen Söhne übertrug. C. seinerseits unterstützte den Kurfürsten mit Geld und war ihm auch später als Bischof ein treuer Gewährsmann. Ihr gutes Verhältnis wurde nur 1455 getrübt, als C. für die Beisetzung seines Neffen Kunz von Kauffungen, der wegen der Entführung der Kurfürstensöhne im sog. Altenburger Prinzenraub hingerichtet worden war, im Freiberger Dom sorgte und dazu den Grabstein stiftete. Daraufhin ließ der erzürnte Kurfürst den Leichnam aus der Kirche bringen. – Da Friedrich II. eine Oberhoheit über das reichsunmittelbare Bistum Meißen beanspruchte und die Besetzung des Domkapitels mitbestimmte, war es vermutlich seinem Einfluss zu verdanken, dass C. am 30.4.1451 nach dem Tod Bischof Johanns IV. einstimmig zu dessen Nachfolger gewählt wurde. Ohne Probleme erhielt der neue Bischof von Papst Nikolaus V. die Bestätigung. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger und seinem Nachfolger gibt es keine Nachricht von einer Belehnung C.s mit den Regalien durch Kaiser Friedrich III., ohne dass die Gründe für das Ausbleiben dieses wichtigen Rechtsakts bekannt sind. So tritt C. nur in einem Fall als Empfänger einer Königsurkunde, und dies noch vor seiner Bischofswahl, in Erscheinung, als ihm am 16.9.1448 zusammen mit seinen Brüdern Dietrich und Nikolaus das Recht der Abhaltung eines Jahr- und Wochenmarkts in Wilsdruff durch Friedrich III. zugestanden wurde. – In Anwesenheit des Kurfürsten erhielt C. im November 1451 die Weihe durch den Bischof von Naumburg. Als eine seiner ersten Amtshandlungen musste er die neuen Kapitelstatuten bestätigen, mit denen die Kanoniker den Einfluss ihres Bischofs und des Papsts zurückzudrängen suchten. Noch im gleichen Jahr traf er mit Nikolaus Cusanus zusammen, um sich mit diesem über eine Reform der Klöster seines Bistums zu beraten. Bereits ein Jahr später begann er diese in die Tat umzusetzen, indem er die Visitation der Klöster in der Stadt Meißen initiierte. Sein Ziel war es, Tendenzen der Verweltlichung des geistlichen Lebens entgegenzutreten. In diesem Zusammenhang ist auch das Wirken des berühmten Wanderpredigers Johannes von Capestrano 1452/53 in verschiedenen sächsischen Städten zu sehen, darunter auch in Meißen, wo er im März 1453 auf dem Marktplatz eine seiner berühmten Bußpredigten hielt. Capestranos Auftreten hinterließ eine solche Wirkung, dass sich C. und eine Reihe sächsischer Städte später an der Kurie für dessen Heiligsprechung einsetzten. Bei der Durchsetzung von Recht und Ordnung machte C. auch vor dem päpstlichen Nuntius und Ablassverkäufer Marinus von Fregeno nicht Halt, den er 1462 wegen nicht näher bekannter Vergehen in Chemnitz festsetzen ließ. – Seine Amtszeit als Bischof war außerdem auf die finanzielle Konsolidierung des Stifts gerichtet. Er erweiterte das bischöfliche Tafelgut mit päpstlicher Hilfe, stiftete Altäre und verwendete das eigene Vermögen zugunsten der Kirche. Ein besonderes Augenmerk widmete er auch der Wiederherstellung der durch die Hussiten verbrannten Kirchen seiner Diözese. C., der zumeist in Stolpen, aber auch in Mügeln residierte, wurde im Meißner Dom beigesetzt. Seine erhaltene Grabplatte aus Bronze, die Hermann Vischer d. Ä. zugesprochen wird, zeigt ihn im Bischofsornat.

Eberhard Holtz, Caspar von Schönberg,  in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe: http://www.isgv.de/saebi/ (24.11.2008)

Wolf Rudolph von Schönberg

Wolf Rudolph von Schönberg  wurde am 10.11.1668 auf Purschenstein geboren.

Seine Eltern waren Caspar Heinrich von Schönberg, Erb-, Lehns- und Gerichtsherr auf Purschenstein, Sayda, Dohlen und Proßen,  und Dorothee Agnes von Taube. Sein Bruder Caspar Reinhard verzichtete auf den Purschenstein, nachdem er abgefunden worden war und so kam er nach dem Tod des Vaters 1695 in den Besitz Wolf Rudolphs. Wolf Rudolph von Schönberg war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Esther Charlotte von Rochau schenkte ihm 3 Töchter und 2 Söhne, welche jedoch alle in jungen Jahren verstarben. 1718 starb auch diese und 1719 heiratete Wolf Rudolph Johanne Magdalene von Schönberg, eine entfernte Verwandte aus dem Haus  Sachsenburg. Ihnen waren keine Kinder beschieden.

Im Dienste Sachsens erlangte er  hohe Anerkennung, wurde 1702 zum Amtshauptmann, 1707 zum Grenzsteuereinnehmer der Erzgebirgischen Grenze, 1718 zum Kammerherrn, 1728 zum Obersteuereinnehmer und 1733 zum Geheimrat ernannt. Er hatte das Vertrauen August II. (der Starke), so  reiste er 1706 in dessen Auftrag nach Leipzig zur Audienz beim König von Schweden, der während des Nordischen Krieges (1700-1721) in Sachsen eingefallen war. Während einer Reise im Dienste des Kurfürsten befiel ihn in Leipzig eine schwere Krankheit (Podagra = Gicht und eine schmerzhafte Halsentzündung). Es gelang ihm noch, nach Dresden zurückzukehren, wo er sich zur Erfüllung seiner Aufgaben oft aufhielt, starb dort jedoch am 31.5.1735. Wolf Rudolph von Schönberg starb ohne Erben.

Um den Besitz der Herrschaft Purschenstein entstand nun ein harter Erbstreit unter den verschiedenen Linien derer von Schönberg. Der Prozeß dauerte 30 Jahre. Ein Gerichtsurteil vom 12.5.1764 legte eine gemeinschaftliche Nutzung von sechs Familien fest. Das erwies sich jedoch als schwierig. Ein Versuch, 1768 den Gesamtkomplex zu verkaufen, scheiterte. Nach und nach erwarb Adam Rudolph von Schönberg die Anteile der übrigen Besitzer. In Ausübung seiner zahlreichen Ämter war er jedoch selten in Neuhausen. Zu seiner Zeit war das Rittergut meist verpachtet. (Text: Catrin Bilz, Seiffen)

Adam Rudolf von Schönberg

Adam Rudolph von Schönberg
Adam Rudolph von Schönberg

Adam Rudolf von Schönberg (1712-1795) ging als letzter Generalpostmeister am Hof in Dresden und als enger Vertrauter der Herzogin zu Sachsen–Weißenfels in die Geschichte ein. Er war Erbauer der barocken Schlossanlage Reichstädt. 1772 gelangte er in den alleinigen Besitz von Schloss Purschenstein und zog dort auch ein. Zugleich wurde damals Purschenstein mit Zubehör (also auch die Mortelmühle) aus Lehn in Erbgut verwandelt und dies vom Kurfürsten bewilligt. Im Jahre 1784 verkauft Adam Rudolph von Schönberg die Mortelmühle an J.C. Eilenberger aus Randeck.

-> mehr zu Adam Rudolf von Schönberg

Utz von Schönberg

In der Zeit des Utz von Schönberg (1804 bis 1864) und seiner Söhne Hans Eberhard und Horst Abraham erlebte der Purschensteiner Wald im 19. Jahrhundert den "Umbau" zu einem exakt eingerichteten überwiegend Reinbestandsforst. Ein umfangreicher Wegebau erfolgte in dieser Epoche. So  wurden einige nach den Herren von Schönberg (z.B. Eberhardweg) benannt. (Text: Catrin Bilz, Seiffen)

In diese Zeit fällt die Erfindung des Holzschliffes zur Papierherstellung (1844). Dadurch steigt der Holzbedarf, jetzt vorallem zur Papierherstellung, wieder extrem an. Aufgrund des rauen Klimas hier im Gebirge gehen die Erträge in der Landwirtschaft dagegen immer mehr zurück. Die Herrschaft wendet sich deshalb immer stärker der Forstwirtschaft zu. Der heutige „Schwarze Busch“ hier im Mortelgrund, bis dahin Wiese, wird mit Fichten aufgeforstet. Die Mortelmühle wird von einer Mahlmühle zu einer Sägemühle umgebaut.

zur Geschichte von Schloss Purschenstein

Als eine der ältesten Ritterburgen Sachsens liegt Purschenstein in der Gemeinde Neuhausen im Tal der Flöha. Die 1289 als „Castrum Borsensteyn“ erstmals urkundlich erwähnte Burg dürfte tatsächlich bereits um 1200 von dem böhmischen Ritter Borso II. aus Riesenburg erbaut worden sein. Von seinem Namen soll sich der Name Purschenstein ableiten. Purschenstein lag am “Alten Böhmischen Steig“, oft auch als "Alte Salzstrasse" bezeichnet, im Grenzbereich zwischen Böhmen und der Mark Meißen.

Es fiel 1253 an die Markgrafen von Meißen,1299 wieder an Böhmen und gelangte 1307 erneut an die Meißener Markgrafen.1324 wird ein Herr v.Begra als Besitzer genannt, später dann ein Rysenburger.1351 gehört die Herrschaft dem Burggrafen Meinher v. Meißen. 

In der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde Peter v. Schönberg, möglicherweise aber auch schon dessen Vater Heinrich, von den Meißener Buggrafen mit der Herrschaft Purschenstein belehnt, zu der seit 1352 auch die Stadt Sayda gehörte. 1429 folgte Sifrid v. Schönberg (geboren 1403, gestorben um 1445). Bis zu ihrer Enteignung 1945 ist die Familie v. Schönberg ununterbrochen im Besitz dieser Herrschaft bzw. des späteren Rittergutes Purschenstein geblieben.

Während des Dreißigjährigen Krieges förderte Caspar Heinrich v.Schönberg die Ansiedlung wegen ihres protestantischen Glaubens von den Habsburgern aus Böhmen verdrängter Exulanten. Diese gründeten in der Umgebung zahlreiche neue Dörfer. Berühmt war die Herrschaft vor allem durch den seit 1324 nachweisbaren Zinnbergbau, mit einem eigens errichteten Vasallenbergamt in Seiffen. Nach dem Rückgang des Bergbaus wurde die Holzbearbeitung zum Rückgrat der Wirtschaft, wovon noch heute die bekannte Spielzeugstadt Seiffen Zeugnis ablegt. Durch den Dreißigjährigen Krieg wurde das Schloß stark in Mitleidenschaft gezogen und die Herrschaft verlor 1650/51 die Rittergüter Pfaffroda und Dörnthal. Durch die Oberberghauptleuten Georg Friedrich und Caspar v.Schönberg gelangten diese Besitze wieder in die Familie.

Im Stil der Renaissance wurden 1550 der dreigeschossige Mittelbau und 1573
der anschließende Wendelstein errichtet. Zu gleicher Zeit entstand auch der etwas abseits stehende Uhrturm mit einer kleinen Hauskapelle. Bedeutende Änderungen erfuhr das Schlossgebäude im 18.Jahrhundert, als der sächsische Generalpostmeister Adam Rudolf v.Schönberg den Südflügel 1776-1778 zu einer großen barocken Schlosskapelle umbaute. Wohl auch Mitte des 18.Jahrhunderts erfolgte die Errichtung des Nordflügels. Die Türme erhielten barocke, laternenbekrönte Turmhauben, von denen aber nur die des Uhrturms erhalten blieb. Im 19.Jahrhundert haben Baumaßnahmen das Äußere des Schlosses im neogotischen Charakter beeinflusst. 1839 erhielt der Uhrturm einen kleinen klassizistischen Vorbau. Im Park wurde eine Familiengruft angelegt.

Letzter Besitzer von Schloß Purschenstein war Georg v.Schönberg. Da er keine Nachkommen hatte, vermachte er das Schloß mitsamt Inventar und forstwirtschaftlichem Betrieb der von ihm selbst errichteten „Familienstiftung Purschenstein“. Auch diese Stiftung ist 1945 der sozialistischen Bodenreform nicht entgangen. Erst in den 90 er Jahren wurden der Familie Teile des wenigen noch vorhandenen Inventars zurückgegeben.